Die ausgezeichneten Objekte stehen für kreative Ideen, nachhaltiges Bauen, einen respektvollen Umgang mit den bestehenden Gebäuden sowie eine perfekte Einbindung in die umgebende Landschaft bzw. in die bestehende Ortsstruktur.
Ein aus Holz neu errichteter Hühnerstall in Millstatt am See (Kärnten, Österreich), die behutsame Sanierung eines denkmalgeschützten Bauernhauses von 1601 in Tiefenbach (Niederbayern), ein zu Wohnungen umgebauter ortsbildprägender Hof im Dorfzentrum von Jägersdorf (Oberbayern) sowie eine zu Wohnzwecken umgebaute Scheune einer Wassermühle in Dudeldorf (Eifel, Rheinland-Pfalz) - das sind die vier Gewinner des Landbaukultur-Preises 2026 der Stiftung Landwirtschaftsverlag Münster. Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung und Anne Keßler vom Bundesbauministerium überreichten die Preise heute in der saarländischen Landesvertretung in Berlin an die Bauherren und deren Architekten.
Insgesamt bewarben sich 79 Bauherren und -frauen aus Deutschland und Österreich mit ihren Objekten um die Auszeichnung. „Die Qualität der eingereichten Objekte war bei der sechsten Ausschreibung des Wettbewerbs so hoch wie nie“, freut sich die Juryvorsitzende Susanne Wartzeck, bis Ende des Jahres 2025 Präsidentin des Bundes Deutscher Architekten (BDA), über das Ergebnis der Ausschreibung. Wartzeck leitete die insgesamt achtköpfige Fachjury aus fünf Architektinnen und Architekten sowie drei Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Landleben und Landwirtschaft.
Prämiert wurden am Ende sechs Objekte (zwei Neubauten und vier Umbauten). Die insgesamt 30.000 € Preisgeld verteilten sich auf vier Preise (jeweils dotiert mit 6.000 €) und zwei Anerkennungen (jeweils 3.000 € Preisgeld). Fünf Preisträger stammen aus Deutschland und einer aus Österreich.
Die prämierten Objekte überzeugten die Jury vor allem deshalb, weil sie eine zeitgemäße und wirtschaftliche Nutzung alter Bausubstanz ermöglichen, das Dorfbild neu belebten und sich als Neubauten bestens in die umgebende Kulturlandschaft einpassen. „Es hat die Jury beeindruckt, wie kreativ und zugleich zurückhaltend respektvoll die Eigentümer und Architekten mit der historischen Bausubstanz umgegangen sind und bei der Auswahl der Baumaterialien und bei der Bauausführung die Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes berücksichtigt haben“, erklärt Susanne Wartzeck.
„Der ländliche Raum bildet eine der Grundlagen für die Schaffung neuen Wohnraums und neuer Begegnungsorte. Der Landbaukultur-Preis würdigt diese Leistungen“, sagte Bundesbauministerin Verena Hubertz in einer Video-Botschaft bei der Preisverleihung. „Es werden regionale Baustoffe und traditionelle Bauweisen mit modernen Ideen und innovativen Methoden kombiniert. So entstehen prämierte Bauwerke, die nicht nur die Landschaft bereichern, sondern konkret auf die Bedürfnisse vor Ort eingehen, die Ortsentwicklung voranbringen und das soziale Miteinander stärken. Das unterstütze ich als Schirmherrin sehr gern.“
Fotograf/Urheber: Simon Burko, München
Das erfrischend vorgetragene Projekt lässt das große Engagement der ganzen Familie Winkler für Region und Baukultur spüren. Mit einigen sorgfältigen hergeleiteten, grundsätzlichen Entscheidungen entsteht in der schwierigen Ausgangslage im Hang eine kluge, funktionale, ebenso schlichte wie „schöne“ Architektur. Die Einbindung in die Landschaft ist vorbildlich. Die Umsetzung mit eigenem Bauholz und wenig Beton ist nachhaltig und ressourcenschonend.
Das Ergebnis der Zusammenarbeit von Architekten und Bauherren ist ein herausragendes, sicherlich sehr aufwändiges Beispiel einer denkmalgerechten und authentischen Sanierung eines typischen, einfachen Bauernhauses der Region. Von der äußeren Gestalt über die konstruktive Lösung und deren handwerkliche Umsetzung bis ins Innenraumdetail erreicht dieser Beitrag das optimal Mögliche. Dabei darf der Charme des „Unfertigen“, rauen, weiterwirken; die Spuren eines langen Häuserlebens sind auch nach der Sanierung wohltuend lesbar.
Fotograf/Urheber: Ideenschmiede Streit-Marx GbR, Niehl
Das Projekt, schafft Wohnraum für drei Generationen in einem ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Gebäudeensemble. Der Anspruch der Bauherrnfamilie, mit dem sanierten Ensemble Identität zu stiften, gelingt durch kleine, aber wirkungsvolle städtebauliche Korrekturen der Baukörper und eine Architektur, die qualitätvolles Wohnen in einem grünen, autofreien Freibereich ermöglicht. Der Bezug zur lokalen Bautradition bleibt durch reduzierte und nachhaltige Materialwahl erhalten.
Die Scheune, der man noch ansieht, dass sie einst dem Verfall preisgegeben war, bevor sich ein junger Architekt und eine mutige Eigentümerin ihrer annahmen, überzeugt durch den behutsamen Umgang mit der historischen Struktur und dem Implizieren eines zeitgemäßen 'Hauses im Haus', welches mit den Baustoffen Beton und Holz und einer beeindruckenden Sensibilität konsequent eine neue Identität erzeugt. So gelingt es außerdem, die Magie des Ortes (ein kleines Tal mit Bach und Aue) einzufangen und regelrecht in das kleine Wohnhaus hereinzuholen. Gelungen auch der Verzicht auf die kultivierende Hand des Gärtners, der umgebende Landschaft bleibt rau, spröde und damit „typisch Eifel“.
Fotograf/Urheber: Christine Schwickerath, Meckel
Der Neubau zeichnet sich durch eine schlichte, funktionale, klare und dennoch ansprechende Architektur aus, die gut zum Baustil der südlichen Eifel passt. Gleichzeitig wirkt und ist der Stall hell und luftig und bietet Platz für Besuchergruppen – ideal für die touristische und öffentlichkeitswirksame Nutzung der Alpakaherde.
Das Objekt ist eine beispielgebende Lösung für die Umnutzung eines ehemaligen Kuhstalls zu einer Wohnung. Es besticht durch Bestandserhalt, einfache Strukturen, die Bewahrung des äußeren Charakters. Die Bauausführung erfolgte kostenbewusst. Auf Gauben und Dachfenster wird verzichtet, Stall bleibt Stall.